Siemens AG: Ein Konzern baut um

Gepostet am 4. November 2014 Siemens

141104_Siemens-AufDrahtWas ein deutscher Leitkonzern mit seinen flüssigen Mitteln macht, zeigt soeben Siemens. Mit 8 Milliarden ist die Kriegskasse von Siemens gefüllt. Der größte Konzernumbau seit 25 Jahren ist angelaufen.
Seit 1. Oktober ist der Elektrokonzern neu aufgestellt. Löschers vier Sektoren wurden zerschlagen und durch neun „Divisionen“ (von ehemals 16) ersetzt. Das bedeutet, dass Organisationsebenen gestrichen wurden. Eine Milliarde will der Siemenschef bis 2015 einsparen. Schon im Mai dieses Jahres sickerte die Zahl von weltweit 11.000 betroffenen Stellen in die Öffentlichkeit, und Kaeser war bemüht, die Gerüchte einzufangen. Seine Dementis können jedoch die Betriebsräte nicht überzeugen, die Unruhe ist da. Der Umbau wird sich in den Verwaltungen auswirken, doch Kaeser hält sich weiter bedeckt. Zahlen zum Umbau wird er aber bei der Bilanzvorstellung im November den Aktionären berichten müssen.

Energiegeschäft im Feuer
Ganz neu sind die Abbauzahlen im Energiegeschäft. 1.200 Kollegen sollen da raus. Betroffen ist vor allem das Generatorenwerk in Erfurt. (Süddeutsche Zeitung, 16.10.14) In Görlitz, wo Dampfturbinen gefertigt werden, sollen 190 von 900 auf die Straße gesetzt werden. (Süddeutsche Zeitung, 21.10.14) Dazu kommen noch 200 der Sparte Flughafenservice, die abgebaut werden sollen. Ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt?
Kaeser hat gerade das Geschäft mit Gasturbinen und Kompressoren vorantreiben wollen. Bisher war das die Sparte mit den größten Profiten, und sie sollte weiter wachsen durch die Teilhabe am Frackingboom in den USA. Da war erwartet worden, dass große Mengen von Kompressoren zur Gasverflüssigung und Turbinen nachgefragt werden. Schon Anfang des Jahres hatte Siemens die Gasturbinensparte von Rolls Royce (GB) übernommen. Seine überquellende Kriegskasse wollte der Konzern zum Einsatz bringen, um die Turbinen von Alstom einzuverleiben, die ihm aber vom Hauptkonkurrenten General Electric (USA) abgejagt wurden.
Der jüngste Deal Kaesers war siegreich, gelang es ihm doch, die US-Firma Dresser Rand mit ihrer Öl- und Gastechnik demselben GE-Konzern für 6 Miliarden wegzuschnappen. Zugleich stieß Siemens seinen 50-Prozent-Anteil an den Bosch Hausgeräten ab und verkaufte Osram. Damit konnte er die Kriegskasse fast entlasten.

Kaeser zockt – Kollegen zahlen
In diesen Tagen gab die Chefin der Siemens Energiesparte mit Sitz in Texas bekannt, dass es Überkapazitäten am Turbinenmarkt gäbe und die Gewinnerwartungen sänken. Das wird von den Meldungen über den abstürzenden Ölpreis flankiert. Und die Zahl 1.200 war auf dem Tisch! (Süddeutsche Zeitung, 16.10.2014) Sie zeigt schnörkellos, wer das unternehmerische Risiko trägt. Die Kollegen sollen die Zockerei Kaesers mit Rausschmiss bezahlen.
Kaeser hat im Jahr 2013 Löscher abgelöst mit dem Auftrag des Siemens-Clans, die Profitrate des Hauptkonkurrenten GE zu erreichen. Das GE-Management ist bekannt für seine Skrupellosigkeit. Kaeser soll der Spagat gelingen zwischen Profitmaximierung nach GE-Maßgaben und dem vom Siemens-Kapital so geschätzten „sozialen Frieden“ der „Betriebsfamilie“. Dafür wurde schon vor seiner Zeit mit der IG Metall vereinbart, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben darf. Kann diese Minimalforderung aufrecht erhalten werden? Der Widerstand aus den Reihen der Betriebsräte und der IG Metall ist – trotz des schon länger bekannten Umbauvorhabens – eher milde. Appelle an den Wittelsbacherplatz aus den Betriebsratszimmern werden nicht reichen.

Quelle: AufDraht – Betriebszeitung der DKP München und Gruppe KAZ