Foto: Fuchsenthaler (CC-BY-SA 4.0)

Solidarisch mit den streikenden Bahnerinnen und Bahnern bei BOB und Meridian

Wir erklären uns solidarisch mit den Bahnerinnen und Bahnern bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und dem Meridian. Die Kolleginnen und Kollegen fordern in der aktuellen Tarifauseinandersetzung mindestens 4,5% mehr Lohn. Bei der deutschen Bahn konnte die EVG ein Wahlmodell durchsetzen, wonach alle Beschäftigten für sich bestimmen können, ob sie 2,6% mehr Lohn, 6 Tage mehr Urlaub oder eine Stunde Arbeitszeitverkürzung haben wollen. Die Beschäftigten bei BOB und Meridian wollen dieses Modell nun auch in ihren Betrieben durchsetzen.

Arbeitszeitverkürzung ist notwendiger denn je: Während fast zwei Milliarden Überstunden pro Jahr gearbeitet werden, haben über 2,5 Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit. Alle bisher Erwerbslosen könnten 20 Stunden pro Woche arbeiten, wenn keine Überstunden mehr gemacht werden müssten. Käme eine Arbeitszeitverkürzung dazu, hätten nicht nur die Beschäftigten mehr Zeit für Familie und Hobbies, sondern es würden Millionen von prekär Beschäftigten und Teilzeitkräften in Vollzeit übernommen werden. Weniger Arbeiten wollten auch die Beschäftigten bei der Bahn: Rund 70% der DB-Mitarbeiter haben sich für mehr Urlaub entschieden. Notwendig wäre zusätzlich, dass nicht wir die Arbeitszeitverkürzung durch Lohnverzicht bezahlen, sondern die Konzerne, die Milliarden Profite erwirtschaften.

Die BOB will das natürlich nicht und hat nun in der zweiten Verhandlungsrunde ein unzureichendes Angebot vorgelegt: Für dieses Jahr sollen die Beschäftigten nur eine Einmalzahlung erhalten, ab Januar dann eine Erhöhung um 2,5%. Außerdem will das private Unternehmen auf eine Jahresarbeitszeit umstellen. Die Unternehmen hätten dann die Möglichkeit, die Arbeitszeit beliebig zu erhöhen oder zu senken – je nachdem, ob viel zu tun sei, oder nicht.

„Das ist eine ganz fiese Nummer. Es geht den Unternehmen darum, den Beschäftigten noch mehr Flexibilität abzuverlangen und sie jederzeit abrufbar zu machen. Dabei fahren Züge täglich, stündlich, da ist immer gleich viel zu tun.“ erklärt Matze Hör, Landesvorsitzender der SDAJ Bayern.

BOB und Meridian gehören zur Transdev GmbH, das größte private Eisenbahn- und Busunternehmen in Deutschland. Transdev, die letztes Jahr über 900 Millionen Euro umgesetzt haben, betreibt ein Geflecht von 43 Tochtergesellschaften in ganz Deutschland. Busse, Regionalzüge und Straßenbahnen wurden schrittweise aufgekauft, ganze Nahverkehrsunternehmen wurden durch Transdev privatisiert. Diese Firmenstruktur und die Ausschreibungspraxis der Bahn verhindert einen gemeinsamen Branchentarifvertrag für alle Eisenbahn-Beschäftigten. Die insgesamt 5000 Beschäftigten bei Transdev müssen gemeinsam mit allen anderen Bahn-Beschäftigten einen Branchentarifvertrag erkämpfen.

Streiks im Bahnverkehr sind unbeliebt, aber anscheinend notwendig! Alle Bahnen stehen still, wenn dein starker Arm es will! Daher unterstützen wir den Warnstreik und fordern alle davon Betroffenen auf, solidarisch mit den Beschäftigten bei BOB und Meridian zu sein. Die Geschäftsführung trägt die Verantwortung für den Streik. Wir dagegen stehen solidarisch an der Seite der Bahnerinnen und Bahner und fordern:

  • 4,5% mehr Lohn und das EVG-Wahlmodell!
  • Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich!
  • Branchentarifvertrag für alle Bahnbeschäftigten auf Basis der DB-Tarifverträge!